Der »Tatort« als Gesellschaftsroman

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Mit Matthias Dell und Stefan Niggemeier

Mit Matthias Dell und Stefan Niggemeier

Fernsehen im Literaturhaus? Der Tatort sei »der wahre deutsche Gesellschaftsroman«, hat der Literaturwissenschaftler Jochen Vogt einmal festgestellt. Zwar ist die beliebte Krimireihe aufgrund ihrer eigenwillig offenen Struktur nicht episch im Sinne neuerer amerikanischer Qualitätsserien (The Wire), deren komplexe Erzählweisen an die Romane des 19. Jahrhunderts erinnern. Der Tatort aber funktioniert zuverlässig als Medium gesellschaftlicher Verständigung: Er erzählt dem Wir der Gesellschaft, das ihn schaut, Geschichten von dessen Außengrenzen und gestattet einen Austausch über ästhetische Auffassungen und ethische Anschauungen. Matthias Dell hat mit »Herrlich inkorrekt. Die Thiel-Boerne-Tatorte« (Bertz + Fischer Verlag) ein Buch vorgelegt, das diese Funktion am Beispiel des beliebten Tatort Münster und der Rede von »Politischer Korrektheit/Inkorrektheit« diskutiert.
Statt einer Lesung wird er anhand einiger Tatort-Ausschnitte den Umgang mit Literatur und Künstlertum in der Reihe erklären. Anschließend gibt es ein Gespräch mit dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier.
Matthias Dell, Jahrgang 1976, studierte Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin und Paris. Er arbeitet als Kulturredakteur bei der Wochenzeitung »Der Freitag«, auf deren Internetseite er jeden Sonntag um 21.45 Uhr einen Blog zum je aktuellen Tatort (und Polizeiruf) führt.