Der Kritiker Walter Benjamin – Werke und Nachlaß, Band 13 – Buchvorstellung
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Henri Lonitz, Christoph Gödde, Frank Arnold, Heinrich Kaulen, Lothar Müller, Joachim Kersten und Jan Philipp Reemtsma
Der erste Kritiker der deutschen Literatur wolle er werden, schrieb Benjamin im Januar 1930 an Gershom Scholem – bezeichnenderweise auf Französisch. Benjamins Kritiken und Rezensionen, die bereits von den Zeitgenossen aufmerksam wahrgenommen wurden, gehören mittlerweile zum Kanon des kritischen Schrifttums, obwohl ihre Gegenstände oft ganz unliterarisch, zuweilen sogar abseits sind.
Der soeben erschienene dreizehnte Band der neuen Benjamin-Ausgabe »Werke und Nachlaß« versammelt alle Kritiken mit Vorarbeiten, Verworfenem und Unabgeschlossenem. Erstmals werden die bereits zu Lebzeiten veröffentlichten Texte ohne Eingriffe in den Text wiedergegeben. Mehr als 200 Druckseiten Notizen und Aufzeichnungen, darunter Besprechungen zu Brecht, Seghers, Kommerell, Polgar und Sternberger, werden in diesem Band zum ersten Mal überhaupt publiziert.
Zusammen mit den im Kommentar erschlossenen Fakten zu Benjamins Arbeitsumfeld, seinen Kontakten und Quellen ermöglicht die Edition einen völlig neuen Blick in die Werkstatt des Kritikers sowie eine minutiöse Rekonstruktion seines Arbeitsprozesses. Sie wird so zu einem Kompendium ersten Ranges für jeden, der sich für europäische Literaturgeschichte, Literaturtheorie oder die Theorie und Praxis der Literaturkritik interessiert. Die Rezensionen waren ein lebenslanges Kraftzentrum von Benjamins Denken. Die Ausgabe zeigt, daß das Stereotyp vom ohnmächtigen Melancholiker partiell revidiert werden muß, denn auf dem Felde der Kritik erweist sich Benjamin durchaus als zielgerichteter, streitbarer und medienerfahrener Publizist.
Der Abend stellt den Literaturkritiker Benjamin in Vorträgen, Lesungen, Gesprächen und einer kleinen Ausstellung vor. Ermöglicht werden auf diese Weise Wieder- und Neuentdeckungen.
19.00 Uhr Einführung: Henri Lonitz
19.15 Uhr »Der Kritiker Benjamin – neu entdeckt« – Vortrag von Heinrich Kaulen, anschließend Gespräch, moderiert von Christoph Gödde
20.15 Uhr Frank Arnold liest aus dem neuen Benjamin-Band, Heinrich Kaulen kommentiert.
21.00 Uhr »Was kann Literaturkritik? Das Beispiel Benjamin« – Gespräch Heinrich Kaulen / Lothar Müller
22.00 Uhr »Kant war ein Indianer« Joachim Kersten und Jan Philipp Reemtsma lesen aus der »Acta Muriensa«
Das Walter Benjamin Archiv der Akademie der Künste zeigt – nur an diesem Abend – Originalmanuskripte und Dokumente aus Benjamins Nachlaß.
Zusammen mit dem Walter Benjamin Archiv der Akademie der Künste und der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur