Der Erste Weltkrieg im »Mann ohne Eigenschaften«
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Mit dem »schönen Augusttag des Jahres 1913« setzt der erste Absatz des Romans eine Frist, die an einem bestimmten Ende hätte abgelaufen sein sollen: »Krieg: Alle Linien münden in den Krieg« – diese Finalisierung definierte den Romanversuch und wurde deshalb auch dann nicht zur Disposition gestellt, als der Weltkrieg zu einem Ersten geworden und der Zweite sich abzeichnete und begann. Auf seine Weise erzählt auch der »Mann ohne Eigenschaften« eine Geschichte.
[Inka Mülder-Bach]
Im Herbst 2013 veröffentlichte Inka Mülder-Bach ihre große Studie »Der Mann ohne Eigenschaften. Ein Versuch über den Roman« (C. Hanser) – eine Einladung, diesen Roman neu zu entdecken. Mit ihren hellsichtigen und scharfsinnigen Analysen unternimmt sie den Versuch, Musils Jahrhundertroman wieder ins Zentrum der Diskussion um die moderne Erzählliteratur zu rücken und ihn als »die umfassendste und literarisch bedeutsamste Gesamtkonstruktion der Moderne, die die deutschsprachige Literatur vorzuweisen hat« zu lesen. Denn während James Joyce oder Marcel Proust allenthalben bis heute rezipiert werden, leidet Musils Roman unter einem merkwürdigen Mangel an Resonanz.
»Daß Kakanien und mit ihm das fiktionale Weltmodell nach Auskunft des Erzählers an einem Sprachfehler zugrundegegangen seien, ist nicht bloß ein Aperçu. Die Konjunktion, welche die ‚kaiserliche und königliche‘ Habsburger Doppelmonarchie bis 1918 zusammenhielt, ist der Sprachknoten des Romans« (Inka Mülder-Bach).