Der Autor und sein Leser, der »Seelenarzt« VI
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Mit Dr. Ralf Seidel und Navid Kermani
Freud wunderte sich darüber, daß sich seine »Analysen wie Novellen lesen lassen« und empfahl die Psychoanalyse nicht nur als Therapie, sondern auch um ihrer Wahrheit willen. Für Lacan, den französischen Psychiater, Psychoanalytiker und Philosophen, äußert sich das Unbewußte als Text, durch Sprache erst hervorgebracht.
Viele Künstler, besonders auch Schriftsteller, wurden von der Entdeckung des Unbewußten durch Freud elementar in ihrem Schaffen beeinflußt und inspiriert. Waren doch auch sie schon immer Erforscher des Innenlebens der Beziehungen und Verstrickungen der Menschen, ihrer geheimen Triebkräfte und ihres Begehrens.
Wie ist das Verhältnis heutiger »Seelenärzte« zum Text, dem Text ihrer Patienten, und wie lesen sie Texte von Autoren? Immer wieder befassen sie sich in Theorien, Vorträgen und Veranstaltungen mit ihrem Verhältnis zur Literatur. Und die zeitgenössischen Autoren? Wie setzen sie sich mit den Erkenntnissen und Theorien heutiger »Seelenärzte« auseinander?
Gibt es vielleicht ein gemeinsames Handwerk, und wie beeinflussen sich die beiden Disziplinen heute?
Der ehemalige Chefarzt Dr. Ralf Seidel der Kliniken Mönchengladbach spricht mit dem Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani über dessen 2011 erschienenen Roman »Dein Name«.
Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, hat seit 1999, als seine Dissertation »Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran« erschienen ist, zahlreiche weitere Sachbücher, Essays und Romane veröffentlicht, zuletzt »Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime« (2009) und den Roman »Dein Name« (C. Hanser, 2011).
Ralf Seidel hat zahlreiche Aufsätze zu sexualwissenschaftlichen Themen, zur Euthanasie, Psychiatrie und zum Nationalsozialismus sowie zur Psychiatrie im Kontext der gesellschaftlichen Wirklichkeit publiziert.
In Zusammenarbeit mit der Park-Klinik Sophie Charlotte; entworfen von Monika Kaiser