Ausstellungseröffnung: Kafkas Fabriken
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Klaus Wagenbach, Ernest Wichner und Heike Gfrereis
Im Jahre 1908 trat Dr. Franz Kafka als »Aushilfskraft« in die Prager Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt ein. Die Tätigkeit mit »einfacher Frequenz«, damals ein großes Privileg, sollte ihm die dringend gewünschte Zeit für seine schriftstellerische Arbeit lassen. Doch auch als Versicherungsbeamter hat Franz Kafka bemerkenswerte Texte geschrieben, etwa den »sophistischen Aufsatz für und gegen die Anstalt« aus dem Jahre 1911, in dem er die Mängel in der Statistik und bei der Festlegung der Gefahrenklassen beschrieb, Schriften zur Verbesserung des Unfallschutzes, über die »Sicherheitshobelwelle« und über den Unfallschutz in Steinbruchbetrieben. Er kannte die soziale und die Arbeitsrealität seiner Zeit aus unmittelbarer Anschauung. Seine Reisen im Auftrag der Versicherung und seine Erfahrungen als Concipist haben nachvollziehbare Spuren in seinen literarischen Werken hinterlassen.
Klaus Wagenbach und Hans-Gerd Koch haben unter Mitarbeit von Klaus Hermsdorf, Peter Ulrich Lehner und Benno Wagner die Materialien über Kafkas Tätigkeit in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag, Fotos und Dokumente der von Kafka in seinem »Kontroll-Rayon« betreuten Fabriken, Maschinen und Arbeitsschutzeinrichtungen, die »Kaiserliche Botschaft«, Kafkas Fahrrad, das Motorrad seines Onkels und zahlreiche weitere Objekte und Dokumente zu einer höchst beeindruckenden Ausstellung zusammengefügt.
Kafkas Fabriken
Ausstellung des Schiller-Nationalmuseums Marbach a. N. im Literaturhaus Berlin
30. März – 7. Mai 2003
geöffnet täglich 11.00 – 19.00 Uhr
Zur Begrüßung sprechen Ernest Wichner und Heike Gfrereis (Leiterin der Museumsabteilung des Deutschen Literaturarchivs).
Klaus Wagenbach erläutert die Ausstellung.
Zur Ausstellung ist das Marbacher Magazin 100, das letzte der von Friedrich Pfäfflin ausgestatteten Magazine, erschienen: »Kafkas Fabriken«, bearbeitet von Hans-Gerd Koch und Klaus Wagenbach in Zusammenarbeit mit Petra Plättner, 160 Seiten, 9,- Euro
Wir danken der Stiftung Preußische Seehandlung und dem Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin für ihre Unterstützung.