Arthur Schnitzler – Affairen und Affekte 25

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Mit Lothar Müller und Hans-Gerd Koch

Mit Lothar Müller und Hans-Gerd Koch

Arthur Schnitzler erscheint Franz Kafka im Traum

Daß Felice Bauer im Februar 1913 in Berlin »Professor Bernhardi« sieht, verleitet Franz Kafka von Prag aus zu einer Generalabrechnung in Sachen Schnitzler, den man »gar nicht tief genug hinunterstoßen« könne und von dem Kafka nur die »anfänglichen Arbeiten (Anatol, Reigen, Leutnant Gustl)« wertachten will. [Brief v. 14. zum 15.2. 1913] Schon einmal, 1911, hatte Kafka im Tagebuch einen konfusen Traum festgehalten: »Vorstellung ›das weite Land‹ [!] von Schnitzler«. [19.11.] Ironie des Schicksals: Wenige Wochen vor seinem Tod am 3.6. 1924 in Kierling (bei Wien) ließ sich Kafka in der Klinik des berühmten Laryngologen Marcus Hajek behandeln – Hajek, Schnitzlers Schwager, hatte die Schnitzler zugedachte Familientradition übernommen.
Angeregt von den Recherchen über die »Vortragskunst von Goethe bis Kafka«, über die er in seinem neuen Buch »Die zweite Stimme« (Wagenbach Verlag) berichtet, ist Lothar Müller (Literaturkritiker bei der SZ) Kafkas Aversion gegen Schnitzler nachgegangen; Hans-Gerd Koch (Kafka-Spezialist) versucht sich als Traumdeuter.