Arthur Schnitzler – Affairen und Affekte 10

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Mit Elisabeth Heresch, Karl Schögel, Ralf Beil und Brigitte Obermayr

Mit Elisabeth Heresch, Karl Schögel, Ralf Beil und Brigitte Obermayr

Arthur Schnitzler und der Jugendstil in Rußland

Was macht es aus, daß noch heute die elementare Kraft des Jugendstils, einer Stilperiode, die hier »Stil modern« genannt wird, so allenthalben im Stadtbild präsent ist, nein: hervorbricht, es einem antut, angesichts des Massigen, Ungeformten oder zuviel Geformten? Es müssen die Triebkräfte sein, die in diesem Stil Gestalt angenommen haben und die man auch in Moskau inzwischen als seine Motive und Charaktermerkmale anerkennt. [Karl Schlögel: Moskau lesen]

Der frühe Tod der Intendantin Vera Fjodorovna Komissar_evskaja (1864-1910) verhinderte die von Hofmannsthal zugesagte »Jedermann«-Welturaufführung in Sankt Petersburg, aber bereits 1899 hatte die Komissar_evskaja als Schauspielerin am dortigen Michajlovskij teatr Schnitzlers »Liebelei« zum Erfolg verholfen und damit dessen Popularität als Bühnenautor in Rußland nachhaltig gefestigt. Verlage in St. Petersburg, Moskau und Odessa ließen sich von Trotzkis 1902 mitgeteiltem Verdikt, daß gegen »Alpträume« à la Schnitzler nur »das Fenster zur breiten Welt … der Masse … weit aufgestoßen« werden müsse, nicht beeindrucken und legten statt dessen in hoher Zahl Teilsammlungen neuer oder neuübersetzter Erzählungen Schnitzlers auf – allerdings ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Und bevor Schnitzlers deutscher Verlag S. Fischer 1912 eine Ausgabe der Gesammelten Werke herausbrachte, lag eine neunbändige auf Russisch vor; einschließlich des »Reigens«, der schon 1917 in Rußland, aber erst 1920 und mit beträchtlicher Erregung in Berlin und später in Wien gespielt wurde.

Nicht nur in Westeuropa, auch in Rußland war Schnitzlers Erfolg mit der Blüte des Jugendstils verbunden, und darüber sprechen Elisabeth Heresch (die bislang als einzige über »Schnitzler in Rußland« recherchiert und publiziert hat), Karl Schögel (Signaturen der russischen Moderne) und Ralf Beil (Direktor des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt, wo ab Dezember eine Ausstellung zum Jugendstil in Rußland zu sehen ist); Moderation: Brigitte Obermayr (Slawistin, FU Berlin).