Arthur Schnitzler – Affairen und Affekte 1

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Mit Ernest Wichner, Dr. Klemens Renoldner, Peter Sauerbaum, Dr. Evelyne Polt-Heinzl, Dr. Gisela Steinlechner, Friedrich Wengler und Evelyne Polt-Heinzl

Mit Ernest Wichner, Dr. Klemens Renoldner, Peter Sauerbaum, Dr. Evelyne Polt-Heinzl, Dr. Gisela Steinlechner, Friedrich Wengler und Evelyne Polt-Heinzl

Eine Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums in Kooperation mit der Arthur Schnitzler-Gesellschaft.

In Berlin wird die Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Jüdischen Kulturtagen 2007 gezeigt.

Um  A F F A I R E N  U N D  A F F E K T E  geht es nicht nur in Arthur Schnitzlers (1862-1931) Dramen, Romanen und Novellen – sie begleiten auch deren Wirkungsgeschichte. Drei bekannte Werke sind dafür beispielhaft: »Der Reigen«, geschrieben 1896/97, und die beiden Monolognovellen »Lieutenant Gustl« (1900) und »Fräulein Else« (1924): ein Karussell erotischer Begegnungen, ein verstörter junger Mann und ein bedrängtes Fräulein. Die Ausstellung macht diese Erzählwelten durchlässig und eröffnet intime Einblicke in die Kultur- und Mentalitätsgeschichte.

Ausstellungskonzept: Evelyne Polt-Heinzl und Gisela Steinlechner, Wien
Gestaltung: Peter Karlhuber, Wien

Zur Eröffnung begrüßen Ernest Wichner (Literaturhaus Berlin), Dr. Klemens Renoldner (Österreichisches Kulturforum Berlin) sowie Peter Sauerbaum (Jüdische Kulturtage), und die beiden Kuratorinnen Dr. Evelyne Polt-Heinzl und Dr. Gisela Steinlechner sprechen über ihre Ausstellung.

4. September bis 28. Oktober 2007
Täglich, außer montags, 11 bis 20 Uhr

20.00 Uhr

Fräulein Else (D 1929; s/w, 88 min)

Als besonderen Auftakt zum Ausstellungsprogramm zeigen wir die Stummfilmrarität »Fräulein Else«, nach Motiven der gleichnamigen Novelle von A. Schnitzler. Regie: Paul Czinner. Buch: P. Czinner, Béla Balázs. Mit Elisabeth Bergner, Albert Bassermann, Albert Steinrück, Adele Sandrock, Else Heller. Restaurierte Filmfassung mit Zwischentiteln und mit Klavierbegleitung von Friedrich Wengler; zur Einführung spricht Evelyne Polt-Heinzl.

Der im Christian Brandstätter Verlag erschienene Katalog »Affairen und Affekte«, hrsg. von Evelyne Polt-Heinzl und Gisela Steinlechner, 160 Seiten, zahlr. Abb., broschiert, ist in der Ausstellung erhältlich.

Die Übernahme der Ausstellung und das begleitende Veranstaltungsprogramm werden durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und durch die Jüdischen Kulturtage großzügig gefördert; der Österreichischen Botschaft (Kulturforum) danken wir für die Unterstützung und der Jüdischen Volkshochschule für ihre Mitwirkung.

Die Ausstellung war vom 12.12. 2006 bis zum 21.1. 2007 im Österreichischen Theatermuseum Wien und vom 4.5. bis zum 17.6. 2007 im Kulturministerium Bratislava zu sehen und soll im Herbst in Udine gezeigt werden.

Arthur Schnitzler – Affairen und Affekte

E S  B E G I N N T  – ohne Vorspiel – mit Schnitzlers mechanistisch gefügtem »Liebesreigen«. Quer durch die Gesellschaftsschichten führt er nacheinander zehn Paare zum Liebesakt zusammen. Verborgen hinter den Gedankenstrichen am »Höhepunkt« der Szenen zeigt das Stück Sexualität als zentrale Triebkraft. Die Verkettung der Paarkonstellationen entwirft auch das Modell einer lückenlosen Ansteckung – es beginnt und endet bei der Prostituierten. Die Ausstellung inszeniert das Stück und die heftigen Reaktionen als Sittenbild einer Epoche.

Von der flüchtigen sexuellen Begegnung der Geschlechter öffnet sich die Ausstellung zu den beiden Monolognovellen. A U F  D E R  E I N E N  S E I T E  empfängt den Besucher ein atmosphärischer Hörraum, in dem er sich – gemeinsam mit Leutnant Gustl, der durch das nächtliche Wien wandert – den Text ergehen kann. Hörinseln und assoziative Bildwerte führen in Gustls »Kopfraum« mit all seinen Widersprüchen, Hohlheiten und unfreiwilligen Geständnissen. Gustls Konflikt mit seinem Ehrbegriff ist die Analyse eines spezifischen Milieus und Männerbildes um 1900. Für Schnitzler selbst endete die »Affaire« mit der Aberkennung seines Offiziersrangs.

A U F  D E R  A N D E R E N  S E I T E  führt eine Drehtür in einen Hotelgang mit Themenfenstern zur prekären Situation der jungen Frau in der bürgerlichen Gesellschaft der Jahrhundertwende. Im Grandhotel als Gast der reichen Tante wird die 19jährige Else mit der herrschenden Doppelmoral konfrontiert und kann in dieser Welt ihren Ort nicht finden. Wie Kleider probiert sie Rollen an, die in der Ausstellung eine Revue sozialer Zuschreibungen und künstlerischer Inszenierungen des Frauenbildes ergeben. Ob »sporting girl«, reiche Gattin oder Edelhure – für Else, zum Tauschobjekt degradierte Tochter eines Defraudanten, enden alle Hotelwege beim erotisch aufgeladenen Thema: die Frau und das Geld. Entstanden in den 20er Jahren, bannt die Novelle das Spiegelbild einer derangierten Gesellschaft – elektrisiert von Inflation, Nackttänzen und Revuegirls.